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Nicht nur unsere Arbeitspartner, die Verlage und Medienproduzenten, betreiben Werbung und Kontaktpflege, um ihre Produktionen bekannt und gegenwärtig zu machen. Zeitgleich und zusätzlich setzt auch die Literatur-Agentur ihre über die Jahre gewachsenen Kontakte ein, um in Abstimmung mit Medien und Verlagen oder in Eigeninitiative die gegebenen Möglichkeiten zu nutzen und nachhaltige Wirkungen zu erzielen.
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Artikel aus der Fachzeitschrift "Buchhändler heute"
Eine Begegnung mit Hellmuth Karasek
Wer sagte denn nun zu Herrn Anders„Guten Tag, Herr Blubber"?Von Axel PoldnerEs beginnt zu regnen. Ganz leicht zwar, mehr eine nieselnde Feuchtigkeit in der Luft — aber ich gehe den Weg von der Potsdamer Straße in Berlin zum Cafe Einstein doch zu Fuß. Im Einstein kommt mir im Gegenlicht Hellmuth Karasek entgegen: „Ich sitze draußen im Garten, es regnet jetzt zwar stark, aber unser Tisch bleibt trocken."
Da war das doch in Wien ganz anders. An einem heißen Augusttag trafen wir uns vor Jahren in der Nähe des Stephansdomes. Ein reiner Zufall. Hellmuth Karasek trat aus dem Restaurant 'Weißer Schornsteinfeger' — ich stand vor dem Hotel 'Königin Elisabeth', direkt gegenüber. Ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen. Sofort kamen wir auf offener Straße in ein anregendes Gespräch, keineswegs nur über Literatur.
Wir treffen uns ohnehin meist zufällig, in Wien, in Frankfurt, im Foyer des Hotels Kempinski in Berlin — und wir sprechen jetzt darüber, über den Zufall, denn der spielt immer eine Rolle. Für Hellmuth Karasek. Und damit diskutieren wir nahezu zwangsläufig gleich über sein neues, bei Rowohlt erschienenes Buch mit dem Titel Das Magazin, das Hellmuth Karasek unter das Motto 'Jeder Zufall ist ähnlich — jede Ähnlichkeit ist rein' ... stellt.
Wir sprechen über das Buch und seinen Inhalt und immer wird erkennbar, dass Hellmuth Karasek dieses Buch schreiben musste. Das Magazin. Er war ja drin, mitten drin, im Magazin — als Mitarbeiter der Zeitschrift Der Spiegel.
Billy Wilder. Ein Mann, der nicht nur mich fasziniert. Karasek hat ein Buch mit ihm geschrieben, über ihn. Meine Frage nach seiner Muttersprache Deutsch kommt mir unmittelbar nach dem Aussprechen selbst komisch vor, zumal Hellmuth Karasek zu mir sagt, dass Billy Wilder besser Deutsch „als wir beide" spreche.
Der Kellner kommt, den Regenschatten nutzend, mit Kaffee, Mineralwasser und einem Weißbier. Hellmuth Karasek zündet sich ein Zigarillo an und deutet die Ruhe aus, die dieser Vorgang signalisiert. Aber Rauchen ist für uns heute ohnehin kein Thema.
Der Regen hat etwas nachgelassen. Wir sprechen über den Buchhandel, die großen Buchhandelsketten, die Zukunft des Buchhandels im neuen Jahrtausend, und immer wird für mich deutlich, dass es für Hellmuth Karasek um die Literatur geht. Nicht um Bestseller oder Erfolge, nicht vorrangig um das, was am meisten beworben und im Gespräch ist. Er liest sehr gerne, er spricht gerne über Bücher, aber er ist kein Bücherwurm im Sinne alter Interpretationsvarianten. Vielmehr sitzt mir ein Mann gegenüber, der dem Leben mit allen Facetten zugetan ist, vor allem auch dem Humor.
Wir lachen viel bei unserem Gespräch, und natürlich müssen wir über unsere gemeinsame „Penne" sprechen, unsere gemeinsame Schule, die wir zu verschiedenen Zeiten in der kleinen Stadt Bernburg besucht haben, die malerisch an der Saale liegt. Natürlich erzähle ich ihm die Geschichte, die dort jahrelang kursierte und vielleicht auch heute noch lebendig ist. Die Geschichte vom Studienrat Anders, den alle nur „Blubber" nannten.
Eines Tages kam in das Gymnasium ein neuer Schüler, der sich korrekt vor dem jeweiligen Unterrichtsbeginn vorstellte: Guten Tag Herr ... , mein Name ist ... ich bin der neue Schüler. Und dann kam die Stunde des Studienrates Anders, der nur „Blubber" geheißen wurde.
Also ging dieser Schüler auch vor und sagte guten Glaubens: „Guten Tag, Herr Blubber, ich möchte mich vorstellen ...“ — weiter kam er nicht, denn der hochrot anlaufende Angesprochene brüllte: „Ich heiße nicht Blubber, ich heiße Anders." Aber der Schüler konterte ungerührt: ,,... wie denn, Herr Studienrat?"
Eine saftige Ohrfeige des gereizten Protagonisten war der Dank für das unschuldige Nichtwissen des Schülers. Hellmuth Karasek lacht und sagt: „Ich war der besagte Schüler." Ich bin fassungslos — vierzig Jahre nach dem Erlebten und der immer wieder in Bernburg erzählten Geschichte sitzt er mir nun gegenüber: Hellmuth Karasek war's.
Gemeinsame Kindheits- und Jugenderinnerungen — wenn auch etwas zeitversetzt, so haben wir doch eine kurze gemeinsame Heimat gehabt. Das verbindet und schafft einen vertraulichen Gedankenaustausch. Wir sprechen also auch über seinen und meinen Berufsweg, erkennen auch dort gemeinsame Berührungspunkte.
Dann geht das Telefon: Irgendwo in der Nähe der Friedrichstraße soll Hellmuth Karasek heute ab 18 Uhr auf dem Podium Rede und Antwort stehen. Unvermittelt habe ich den Eindruck, dass er es gerne macht. Ich glaube zu wissen, dass sein Tagesablauf minutiös verplant ist, ein Weg zwischen und mit der Literatur und ihren Begleiterscheinungen. Ein Leben mit dem Leben.
Und doch weiß ich, dass der Mann, der mit dem dritten Streichholz gerade vergeblich versucht, das Zigarillo zu entzünden, nicht von der Gegenwartskrankheit Stress befallen ist oder gefährdet sein könnte. Nein — mit Hellmuth Karasek wird das Medium Buch lebendig, Bestandteil des alltäglichen Lebens, so als wenn es nichts anderes gibt als eben unser Leben mit den Büchern, durch und mit denen man dann wieder richtig mitten im Leben stehen kann.
Hellmuth Karasek erlebt Literatur und macht Literatur zum Erlebnis, er erfüllt die für Außenstehende stoisch scheinende Bücherwelt mit Temperament, Gegenwartsnähe und einem Humor, der nicht nur sich in Frage stellt und gut erkennbar einen absoluten Gültigkeitsanspruch verneint.
Genau das ist es wohl auch, was den Menschen und Autor Karasek so liebenswert, so interessant macht und man immer wieder den Wunsch hat, mit ihm zu reden, am besten den ganzen Tag und die Nacht dazu. Es ist ein Genuss, mit Hellmuth Karasek über Literatur zu diskutieren — über seine Bücher zu sprechen, ein Erlebnis. Man muss seine Bücher einfach lesen und dann gleich mit Ungeduld auf das nächste warten. Ungeduld: eine Eigenschaft, die ferne von ihm ist.
Es regnet immer noch stark. Aber wir müssen ja irgendwann wieder gehen, den Regenschutz verlassen. Der Kellner bestellt zwei Taxis. Wir haben verschiedene Wege. Was ich denn jetzt noch machen würde, bis zur Abfahrt, fragt Karasek interessiert. „Wenn ich heute schon in Berlin bin, dann gehe ich in das KaDeWe an die Austernbar. Der Horst dort ,macht` die besten Austern, die ich je gegessen habe." Hellmuth Karasek hat jetzt den Gesichtsausdruck eines Menschen, dem es auch um das leibliche Wohl zutun ist.
Er sagt: „ ... und wenn dann noch Platz ist, würde ich an dem gegenüberliegenden Stand noch jungen Matjes essen. Ein Genuss." Vielleicht wird das für mich dann doch zu viel des Guten. Nach dem geistigen Genuss dieses Nachmittags auch noch weiter aus dem Vollen schöpfen ... nein.
Mit typischen Berliner Fahrern besetzt halten zwei Taxis vor dem Lokal. Wir winken uns noch durch die verregneten Scheiben zu, bis zum Wiedersehen, und wahrscheinlich spielt der „Zufall" auch dann wieder eine Rolle ... wie in seinem neuesten Buch.
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Artikel aus der Fachzeitschrift „Buchhändler heute“
„Wo ist denn der Eingang?"
Eine Begegnung mit dem Autor James Douglas
Von Axel PoldnerDie Stimme klingt aufgeregt und der ausgesprochene Satz löst das berühmt-berüchtigt-bekannte, silbern-kichernde Lachen aus, das bis zu einem bestimmten Alter vermutlich Circe allen jungen Mädchen eingehaucht hat, damit auch sie bezirzen.
„Du spinnst", sagt jetzt eine etwas entschlossener klingende Stimme im Hintergrund, die durch die Regale zu hören ist. „Doch er ist es, komm mit nach vorn. Auf seiner Kreditkarte steht es doch: Douglas. Persönlich. Unser Chef."
Der Laden an der Düsseldorfer Kö macht einen sehr gepflegten Eindruck, aber es liegt ein Duft in der Luft, den ich nur begrenzte Zeit ertragen möchte.
Also raus hier. Ich dränge James Douglas, nun endlich sein Mitbringsel zu greifen, auf Verpackung zu verzichten und daran zu denken, dass wir einen Termin bei Gerd Wehling haben.
Die Anmerkung, die James Douglas macht, mit dem Hinweis, dass man bis dahin zu Fuß gehen könne,, ignoriere ich, obwohl es stimmt. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass es doch ganz gut war, die scheinbar irreparabel und orientierungslos wirkenden Verkäuferinnen zu regulieren. „Ach so, ein Autor, der James Douglas, ein Schriftsteller, na ja."
Das Wetter ist heute sehr durchwachsen, er regnet in kurzen Zeitabständen, aber bevor der Schirm aufgespannt ist, klart es wieder auf. In den Straßencafés auf der Kö sitzen einige Menschen, meist unter den großen Schirmen.
Mit James Douglas auf der Kö in Düsseldorf. Seine Gegenwart signalisiert Erlebnisse und Überraschungen. Ich erinnere mich an den Tag, an dem er bei mir klingelte und zu mir sagte, dass er zwar nicht James Douglas heiße, es aber doch werden wolle, weil er nicht einsehen könne, dass für einen deutschsprachigen Thriller-Autor die Landesgrenzen nur schwer zu überwinden sind.
Als Dr. jur. Ulrich Kohli, noch dazu als Anwalt, mit Sitz in Zürich und New York, wäre das wohl keine zwingend gute Startbads. „Die amerikanische Literaturszene gibt einem deutschsprachigen Autor wenig Chancen. Ich will nicht, ich muss ein Pseudonym wählen, ein typisch amerikanisches." Der Mann muss wissen, was er will, dachte ich.
Dann erschien das erste Buch. Brennpunkt Philadelphia, ein Thriller. Atmosphäre hageldicht. Bei der Lektüre war ich im Sinne der Wortausdeutung von dem ersten Buchstaben bis zur letzten Zeile „gefesselt". Das Buch ist gut. Ganz einfach gut. Alm wurde es „auf Verdacht" übersetzt, in das Amerikanische, mit einem Ergebnis, das mich staunen lässt.
Und dann geschah es. Tatsächlich: der in New York ansässige Verlag Marlowe & Company — Publishers Group West — legte einen akzeptablen Verlagsvertrag vor und publizierte das Buch. Ich erinnere mich, als würde ich es jetzt erleben, denn als James Douglas mir das erste Exemplar überreichte, hatte er einen nicht unbedingt definierbaren listig-fröhlichen Blick, der aber doch in der Konsequenz unausgesprochen signalisierte, dass er ein amerikanisches Pseudonym wählen musste...
Zu diesem Zeitpunkt war das zweite Manuskript vollendet, eine Arbeit über die Jahre, bei unabdingbar sorgfältigster Recherche. Und wie von Zauberhand geführt, traf die Thematik wieder punktgenau den Zeitgeist: Das Nazi-Gold in der Schweiz. Bevor die Medien diese Thematik aufgriffen, war das Buch schon lieferbar: Goldauge. Wieder ein Thriller. Wieder ein mit allen Varianten und von sprachgewaltigen Attituden begleiteter Thriller eines deutschsprachigen Autors mit amerikanischem Pseudonym. Zwei Monate später erschien die Taschenbuchausgabe seines ersten Buches bei Ullstein.
James Douglas kommt an. Auch im deutschsprachigen Raum, von dem auch in Zukunft seine Bücher den Zugang zur literarischen Welt ohne sprachliche Eingrenzung finden.
Wir gehen über die Kö, ein Fußweg also, der auf Anregung des Autors genommen wird, die Sonne strahlt stechend zwischen den Wolkenfetzen mit Signalwirkung, „Es ist ja so", sagt James Douglas — oder Dr. Ulrich Kohli? — „dass der Mensch im Grunde auch ein suchendes Wesen ist, auf der Suche nach Halt, Geborgenheit, Erlebnisdichte, Glauben, was auch immer. Und wir befinden uns in einer Zeit der Neuorientierung, auch des Umbruchs, der auch durch die Jahrtausendwende scheinbar Schubkraft nimmt. Der ideale Boden für Sekten, Gurus, Verführer."
Bisher 18 belletristische Publikationendes Autors James Douglas
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Wir gehen an einem Kiosk vorbei. Die Presse spiegelt die Worte des Autors: Boulevard-Journalismus der Presse, aber am Puls der Zeit.
„Ein Autor muss das ahnen können, den Zeitgeist spüren, das, was uns künftig tangiert", sagt James Douglas und ergänzt: „Ich habe wieder Glück gehabt. Mein neues Buch Der Sintfluter, vor drei Jahren begonnen, beinhaltet die Thematik, die uns jetzt bewegt." Das ist ein gefährliches Spiel, ja, und auch der Stoff für einen Thriller, den ich selbst gleich nach Erscheinen lesen muss.
Am Ende der Straße geraten wir auf den Radfahrweg, der nicht gut gekennzeichnet, dafür aber durch lebhaftes Klingeln als solcher reklamiert wird. Jetzt biegen wir links ein, rechte Straßenseite, linke Straßenseite? Wir entscheiden uns für die rechte und überqueren diese auch lebhaft frequentierte Herzogstraße in Höhe der Ampel. Da ist die Hausnummer, Herzogstraße 53. Aber scheinbar mit zwei Eingängen. James Douglas sucht links, ich rechts, dann finden wir den Eingang.
Gerd Wehling begrüßt uns herzlich, wir kommen schnell ins Gespräch, die gesamte Atmosphäre des Arbeitszimmers signalisiert ohnehin Vertrauen, eine der Voraussetzungen für einen guten, offenen Gedankenaustausch.
Die Zeit vergeht schnell, wir verabschieden uns. Die Tür des Hauses schließt sich. James Douglas sagt urplötzlich au mir: „Wir haben den Eingang doch schnell gefunden, oder?" Ich nicke etwas geistesabwesend und ertappe mich bei dem Gedanken. dass der deutschsprachige Thriller-Autor James Douglas auch den Eingang der Tür zum Weltmarkt finden wird. Bestimmt!
Das jetzt gerade gegenwärtige Wetter korrespondiert nicht mit unserer Stimmungslage. Also her mit einem Taxi. Es kommt keins, wir stehen suchend an der Ecke der vor uns liegenden Königsallee. Hier brauchen wir keinen Eingang. Man muss nur warten und wissen, wo man hin will.
„Wieder zu den kichernden Mädchen?" frage ich. „Nein, lass uns lieber in der NT-Kneipe irgendetwas trinken."
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Stadtmagazin - Juli 2010 – Promis aus Rudower SichtDer Konditor der Kanzlerin und Udo Lindenberg raucht seine Havanna vor dem Hotel
Er kam vorfristig, nicht zum vereinbarten Zeitpunkt und das hatte einen simplen Grund: seine Vorlesung und Präsentation der köstlichen Köstlichkeiten des Köstlichen. Thematik: Patisserie, in unseren Breiten als Nachtischkultur oder Dessert besser bekannt. Dieser Termin endete zeitlich anders als geplant und er machte sich mit einem selbst geschöpften Baumkuchen auf den Weg nach Rudow. Und dann stand er in Rudow , in der Raduhner Straße, vor der Tür, der Meister der Meister, der Weltmeister, der Gewinner unzähliger Internationaler Preise und Auszeichnungen.
Bekanntlich – bei allem Wohlwollen – spielt sich ja nicht alles in unserem Stadtteil Rudow ab. Und so trägt es sich bisweilen zu, dass Arbeitsgespräche auch außerhalb unserer Stadtteil-Grenzen geführt werden. So saß Axel Poldner mit dem Schriftsteller Heinz-Joachim Simon nachts an der Bar des FOUR SEASONS am Gendarmenmarkt, um über Buchprojekte zu sprechen. Nun, an einer Bar gesellt man sich gerne auch zu anderen, so diesmal Udo Lindenberg. Unkompliziert und unbeachtet von anderen Gästen sprach man über seine Malerei, die inzwischen auch als Bildband im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag in Berlin erschienen ist. Aber Udo hatte noch andere Gedanken als diese Plauderei. Er ließ sich vom Barkeeper die klimatisierte Kiste mit den teuren Zigarren zeigen, wählte eine aus und verabschiedete sich, um sie vor dem Hotel mit Genuss zu rauchen. Dem Rauchverbot in Restaurants sei Dank. Oder? Jedenfalls signalisierte der Gesichtsausruck von Udo Lindenberg auch vor dem Hoteleingang Genuss. Na also. Gönnen wir es ihm!
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Stadtmagazin – April 2010 – Promis aus Rudower Sicht
Die Leipziger Buchmesse – Der Kommissar, Derrick und der Bundesfilmpreis
Leipzig – immer noch und immer wieder das Synonym für den Begriff “Stadt des Buches“. Tatsächlich war Leipzig in den Zeiten alter Landesgrenzen so etwas wie der Mittelpunkt, denn die Stadt lag so zentral, dass von diesem Punkt aus fast alles erreichbar war. So wurde auch der Berufsverband in Leipzig gegründet, der schon damals die heute kaum noch nachvollziehbare Bezeichnung „Börsenverein des Deutschen Buchhandels“ trug. Der Name des Berufsverbandes war auf die besonderen Aufgaben zugeschnitten. In einer Zeit deutscher Kleinstaaterei hatte jedes deutsche Land eine eigene Währung. Da wurde mit Gulden, Hellern, Talern, Kreuzern und anderen Währungen gerechnet, die es am Handelsplatz Leipzig umzutauschen galt. Diese Aufgabe übernahm der Börsenverein, der in Leipzig klobige, nicht furnierte Tische aufstellte, die so gewaltig und standfest waren, dass man in diese Tische tiefe Aushöhlungen schnitzte, in denen die verschiedenen Währungen Platz fanden. So ging der Buchhändler aus Köln, der von einem Verleger aus Dresden Bücher bezog, zu diesen Tischen, um vor Ort Währungen zu tauschen – eine Handhabung, die bis zur Einführung der Reichsmark im Jahr 1876 praktiziert wurde. Also tätigte der Berufsverband so etwas wie „Börsengeschäfte“ bzw. Geldgeschäfte bis zur Einführung einer in Deutschland allgemein gültigen Währung. Der Name „Börsenverein“ ist geblieben.
Leipzig ist heute nicht mehr der Nabel des Buchhandels. Die Stadt bemüht sich ohne Unterlass und nach Kräften aufzuholen, indem sie Verlagen bei einem Umzug oder einer Ansiedelung besonders günstige Voraussetzungen bietet, sei es im Bereich der Mieten oder durch die Einräumung anderer Vorteile. Stabilisiert hat sich inzwischen die “Leipziger Buchmesse“, die im Frühjahr stattfindet und die sich als ausgewiesene „Lesermesse“ dadurch von der „Frankfurter Buchmesse“ unterscheidet, die ihrerseits als größte Buchmesse der Welt gilt. In Frankfurt findet im Herbst eine Verlagsmesse statt, auf der der Welt-Buchhandel Lizenzen vereinbart und die Medien zur Hochzeit inspiriert. So hat die „Leipziger Buchmesse“ ihre Berechtigung als zweite Buchmesse innerhalb eines Jahres in Deutschland gewahrt und ihr kann dadurch eine gute Zukunft prognostizieren werden.
Und der Buchhandel selbst, ein tragfähiger Pfeiler der Kultur in unserem Land der Dichter und Denker, hält er auch in Zukunft? Die Voraussetzungen dafür sind seit langen Zeiten gegeben. Deutschland hat das dichteste Netz von Buchhandlungen vor allen anderen Ländern. Auch in unserem Stadtteil hat sich mit der Leporello-Buchhandlung in Rudow in der Krokusstraße eine aktive Buchhandlung angesiedelt, die umtriebig und einfallsreich das Buch den Menschen nahebringen will. Und dann gibt es ja noch „Die Bücherinsel“ in Alt-Rudow, die als erster Stützpunkt für das Buch in unserem Stadtteil Vorreiter war. Da die Technik auch im Verlagsbuchhandel mit Sieben-Meilen-Stiefeln voranschreitet und uns mit immer neuen Überraschungen zu Quantensprüngen im Denken und Handeln antreibt, bleibt auch der Buchhandel davon nicht berührt. Dies führt zu Streichungen im Kulturetat, unter dem Buchhandlungen, Theater und andere kulturtragende Institutionen leiden. Bisweilen formt sich der Eindruck, dass es mehr Autoren als Leser gibt. Eine gewagte und ungeprüfte These, aber Fakt ist, dass jährlich etwas mehr als eine Millionen neue Buch-Manuskripte geschrieben werden, denen jährlich nur 80.000 Neuerscheinungen hilflos gegenüberstehen.
Dieses Phänomen wird außerhalb des Buchhandels erzeugt. „Verlage“, die gegen entsprechende Münze alles drucken, was nicht Niet- und Nagelfest ist, stehen in den Startlöchern. Und manche „Autoren“ vergessen in ihrer Begeisterung, dass eben diesen Büchern der Zugang zum Buchhandel verwehrt bleibt und kein Weg zum Leser gefunden wird. Dabei könnten sich diese Autoren sehr schnell bei einem Besuch einer Buchhandlung oder durch ein Telefonat kundig machen, wenn sie erfragen, ob der entsprechende Verlag bekannt ist und ob seine Bücher geführt werden, denn merke: Dank der Technik gibt es heute Verlage, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit veröffentlichen. Der Begriff „Verlag“ ist wegen unserer Gewerbefreiheit nicht geschützt. Gegen einen kleinen Betrag von € 25,- für die Gewerbeanmeldung wird jeder Gründungslustige zum „Verleger“.
Die Titel Der Kommissar, Derrick und der Bundesfilmpreis sind wohl fast allen gegenwärtig und fast jeder weiß, um was es geht. Bei den Fernsehserien handelt es sich um die weltweit erfolgreichsten deutschen Krimi-Serien, die auch heute noch in 124 Ländern in der Landessprache gesendet werden. Wer aber kennt den Namen des Autors Herbert Reinecker, den Schöpfer dieser Serien und damit den erfolgreichsten und produktivsten Autor von Fernsehfilmen in der Geschichte des deutschen Fernsehens, die in Berlin im Jahre 1926 begann. Seine Werke aufzuzählen, würde einige Seiten in unserem Magazin in Anspruch nehmen. Jedoch: bevor man sich im Internet kundig macht, setze man sich besser vorher, um die gewaltige und unvorstellbare Schaffenskraft dieses Autors fassen zu können: Romane, Hörspiele und unzählige Drehbücher, die vom Fernsehen oder als Kinofilm realisiert wurden, was zur Folge hatte, dass er auch mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet wurde.
Herbert Reinecker arbeitete drei Jahrzehnte bis zu seinem Ableben im 93. Lebensjahr 2007 mit der Rudower Literatur-Agentur Axel Poldner zusammen, die auch seine Hörbücher publizierte. Ein beeindruckendes Alterswerk, unabhängig von seinen Filmen und Büchern, das auch in Zukunft Bedeutung haben wird. Herbert Reinecker hat Spuren hinterlassen, die unsere Zeit geprägt haben. Ein bekannter Autor, der weitgehend unbekannt geblieben ist. Doch damit das nicht so bleibt, haben sich die Autoren Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen von der Deutschen Kinemathek am Potsdamer Platz die Aufgabe gesetzt, eine Monographie über den Menschen und Autor Herbert Reinecker zu schreiben. Da Axel Poldner drei Jahrzehnte lang mit Herbert Reinecker eng und freundschaftlich zusammenarbeitete, haben im März die Autoren und Axel Poldner in Rudow ein erstes Arbeitsgespräch geführt. Herbert Reinecker hat seinen schriftstellerischen Nachlass bei einer Feierstunde dem Berliner Filmmuseum übergeben. Am 30. Jahrestag ihrer drei Jahrzehnte umfassenden Zusammenarbeit hatte Herbert Reinecker für Axel Poldner eine besondere Überraschung dabei. Der Derrick-Autor, der immer noch mit der Schreibmaschine arbeitete, schenkte Axel Poldner jene Maschine, mit der er alle Folgen der Serie Derrick geschrieben hatte. Und so fand die Schreibmaschine des großen Autors in unserem Stadtteil ihren endgültigen Ruheplatz...
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Stadtmagazin 03 – März 2010 – Promis aus Rudower Sicht
Die BERLINALE 2010: Ein Fest für die Welt - Hanna Schygulla, die Stars und das Publikum
Bereits auf der Fahrt zum Potsdamer Platz signalisieren die am Straßenrand aufgestellten Lichtsäulen den Weg zum Zentrum der BERLINALE, die sich inzwischen auch auf einzelne Stadtteile und deren Kinos ausgedehnt hat, um dem Anspruch, den sie sich gesetzt hat, „das größte Publikumsfestival der Welt zu sein“, gerecht zu werden.
Und im Zentrum des Geschehens, am und um den Potsdamer Platz setzt die BERLINALE Signale, die diesen Anspruch untermauern: Lichtelemente, Dekorationen, geschmückte Straßen, Fahnen. Eine ganz besondere, einmalige Stimmung empfängt den Betrachter, den Passanten, den Menschen, welche signalisiert, dass man sich im Zentrum eines weltumspannenden Ereignisses befindet, dass man mit ihm am Herzschlag der Welt lebt, um ein Teil davon zu sein.
Die kahlen Bäume und Sträucher in den Straßen um den Potsdamer Platz sind mit kleinen Lichtelementen versehen, die diese prächtig strahlen lassen und verkünden: „Hier sind wir, die BERLINALE!“, unübersehbar mit dem für Berlin so typischen Anspruch, immer etwas ganz Besonderes darzustellen, das nie als Arroganz empfunden werden soll.
Erstmals wurde der Traum von Gero Gandert, dem großen, alten Mann, der zur personifizierten Geschichte des deutschen Films geworden ist und der sein Wissen um den Deutschen Film in die Deutsche Kinemathek in Berlin einbringt, zur Realität: Die breite Potsdamer Straße wurde von ihm selbst als Boulevard der Stars eingeweiht und der erste Stern, der den Namen Marlene Dietrichs trägt, auf dem Boulevard von ihm persönlich in das Pflaster gesetzt. Jetzt hat Berlin wie Hollywood auch seinen Boulevard der Stars und dies mit Fug und Recht, denn den Film, den Tonfilm, den Farbfilm, das alles hat Berlin der Welt geschenkt. Hollywoods Ruhm blühte erst auf, als die deutschen Stars, in den Zeiten des GröFaZ (Größter Fatzke aller Zeiten) das Land verließen, um sich in Hollywood anzusiedeln.
Gero Gandert sagte bei einem Empfang während der BERLINALE im Gespräch mit dem in Rudow tätigen Axel Poldner: „…dass ich den Boulevard der Stars noch erleben darf...“, und er wirkte sehr glücklich dabei.
Alles begann im Jahre 1951 im vom Krieg gezeichneten Berlin. Am 08. Juni wurde die erste BERLINALE als das „Schaufenster der freien Welt“ im Steglitzer Titania-Palast mit Hitchcocks „Rebecca“ eröffnet. Gleich von Beginn an wurde sie zum großen Publikumserfolg, mit Festakten in der ausverkauften Waldbühne und einem rauschenden Feuerwerk. Der „Goldene Bär“, der höchste Preis der BERLINALE, war von Anfang an dabei. Er wurde ganz demokratisch durch Publikumsabstimmung mittels Kinokarte vergeben. Der erste Gewinner: Walt Disney, der der Welt mehr geschenkt hat als diese ihm, hielt nach dem Gewinn seines Films „Cinderella“ den Goldenen Bären liebevoll im Arm. Es war die Zeit, die nach dem Motto: „Hurra, wir leben noch!“ pulsierte, und auf den Straßen sang man oder pfiff das Lied „Kleiner Bär von Berlin, du wirst sehen, deine Stadt, die wird wieder groß und schön…“.
Bereits 1955 wurde das Festival von der Internationalen Federation of Film Producers in die A-Kategorie aufgenommen und spielte in einer Liga mit den Filmfestspielen in Venedig und Cannes. Also kamen sie alle, die Stars, die Großen, die Schönen, die Interessanten. Berlin wurde fortan zum Treffpunkt der Filmstars aus aller Welt: Gary Cooper, Sophia Loren, Jean Marais, Jean Gabin, Henry Fonda, Errol Flynn, Hans Albers und alle die, deren Namen auch heute noch bekannt sind. In dieser Zeit, als die Welt wieder Berliner Luft schnupperte, gab es die großen Pressekonferenzen, in denen die Stars ihre Meinungen über die Stadt Berlin, ihre Atmosphäre und ihre Menschen Kund und zu Wissen gaben. So trug es sich zu, dass sich die einzelnen Weltstars in endlosen Lobgesängen ergingen, aus denen hörbar wurde, wie gut ihnen Berlin gefällt.
So kam auch der große, aber kurze Auftritt der deutschen Schauspielerin Grete Weiser, die nun zum Publikum und zur Presse sprach und die mit ihren legendären drei Worten über Berlin Geschichte schrieb: „Ick wohne hier“, jubelte sie in die Mikrophone. Das war so typisch für die göttliche Jette, die Grete Weiser, die ihr Publikum mit mehr als einhundert Kinofilmen erfreute. Ihre Popularität hält bis heute an. Im Jahre 2000 ehrte sie die Deutsche Post mit einer Sonderbriefmarke und in unserem Stadtteil Rudow wurde von der Literatur-Agentur Axel Poldner das Buch mit Hans Borgelt „Herz mit Schnauze“ herausgegeben, dass ein großer Erfolg wurde. Signierte Exemplare werden jetzt mit € 60,- gehandelt und setzen einen geflügelten Satz außer Kraft: „Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze …“. Da Film und BERLINALE großes Interesse wecken, wurde in Rudow in Zusammenarbeit mit der BERLINALE auch das Buch mit dem Titel „Stars und Stories – Filmgeschichte(n) aus Berlin“ herausgegeben.
Einer der Höhepunkte des beeindruckenden Filmfestivals, das alles, was Rang und Namen in der Welt des Films hat, begrüßte, war der Empfang aus Anlass des Jubiläums „60 Jahre BERLINALE“ durch den menschlich sympathischen Direktor der BERLINALE Dieter Kosslick. Aus unserem Stadtteil war Axel Poldner eingeladen, der mit seinem Medienbüro über die Jahre viele Bücher zu Kinofilmen und deren Darstellern umsetzte. Auf diesem Empfang kam es auch zu einem längeren Gespräch mit Hanna Schygulla, einem weiteren deutschen Weltstar ersten Ranges. Ehedem war sie die Muse von Rainer Werner Fassbinder, der den deutschen Nachkriegsfilm entscheidend prägte und der auf Wunsch gern den Satz wiederholte: „Ich kann ohne Fräulein Schygulla nicht leben.“ Wie eng die Verbindung später war, bleibt unergründbar, denn Hanna Schygulla erfuhr von Axel Poldner erstmals, dass die Rudower Literatur-Agentur Bücher mit und über Rainer Werner Fassbinder konzipiert und publiziert hat. Also will sie in den nächsten Monaten nach Rudow kommen, wenn die Termine der in Paris lebenden Künstlerin es zulassen. Rudow ein Treffpunkt der Stars? Soweit ist es wohl noch nicht, aber viele waren bereits in unserem Stadtteil und ihre Anzahl steigt zusehends.
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Buchhändler heute - Artikel von Peter Breuer
Herbert Reinecker auf neuen literarischen Pfaden Ein Fixstern unter denStars der Krimi-Literatur
Sein neues Buch Warten auf Nachricht ist ein Kaleidoskop voller Lebensweisheiten, psychologischer Delikatesse und tiefgründiger Bonmots. Wer seine Texte und Prosastücke liest, versteht erst jetzt, wie es diesem Meister und genialen Schöpfer atemberaubender Krimi-Serien gelingen konnte, über Jahrzehnte hinweg Millionen TV-Zuschauer und Leser seiner Bücher in aller Welt zu' fesseln.
Herbert Reinecker wurde in Hagen als Sohn eines Reichsbahnbeamten geboren. Bereits mit 15 Jahren begann er als Mitarbeiter bei der Hagener Zeitung und schrieb hier seine ersten Geschichten. Im Zweiten Weltkrieg war er Soldat und Kriegsberichterstatter. Seine Eindrücke und Erfahrungen aus dieser Zeit verarbeitete er in den Kinofilmen Taiga, Kinder, Mütter und ein General und Canaris, für den er 1955 den deutschen Filmpreis erhielt.
Mitte der 50er Jahre gelang ihm der große Durchbruch als Autor bei Funk, Film und Fernsehen. Er wurde vielbeschäftigter Drehbuchautor für deutsche Unterhaltungs- und Kriminalfilme und erhielt viele nationale und internationale Auszeichnungen. In den 70er und 80er Jahren galt Herbert Reinecker als meistbeschäftigter Fernsehautor. Mit seinen Serien Der Kommissar und Derrick verschaffte er den Bühnenprofis Ode, Tappert und Wepper einen lebenslangen Eintritt in die Wohnstuben klassischer Krimi-Konsumenten - immer mit leisen Tönen und humorvollem Feinsinn. In über 100 Ländern schauen ihm die Anhänger seiner gewaltfreien „Aufklärungsarbeit" über die Schulter.
Diese kriminalistische Filigranarbeit rundete Herbert Reinecker, was viele nicht wissen, durch ein jahrzehntelanges literarisches Schaffen ab, das zahlreiche Theaterstücke, Hörspiele, Romane, eine Autobiographie, Essays, Drehbücher und beliebte Filmstoffe wie Das Traumschiff und Jakob und Adele hervorbrachte.
Mit dem jetzt vorliegenden Prosaband Warten auf Nachricht zieht Herbert Reinecker eine Bilanz seines lebenslangen Schaffens als Mensch und Schriftsteller. Seine Kleinen Gespräche mit der Gegenwart reflektieren Gedanken und Betrachtungen über das Schreiben, über die Sinnsuche menschlichen Strebens und Lebens und die Sehnsucht nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Toleranz - aber sie sind auch erfüllt von der Ahnung um die Unergründlichkeit menschlicher Existenz.
Wahrlich, ein farbenprächtiges Mosaik lesbarer Gedanken und Denkanstöße, ein wunderschönes Geschenkbuch für alle Anlässe, das ich allen Lesern dieses Magazins wärmstens empfehlen kann.
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